Rapid Reviews mit Suchen in einer Datenbank generieren keine verlässliche Evidenz

Im Zeitalter einer schieren Flut an international generierter Evidenz auf Basis von Primärstudien zu klinischen und therapeutischen Fragestellungen sind Rapid Reviews zunehmend eine pragmatische Alternative zu klassischen Systematischen Reviews bei der Unterstützung von gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen geworden. In der Praxis kann dies vielfach nur durch ein Weglassen oder die Verschlankung von etablierten methodischen Ansätzen, die beispielsweise bei Cochrane reviews eingefordert werden und als Goldstandard gelten, erreicht werden. Dies trifft insbesondere auf eine verkürzte Datenbankrecherche zu. Unklar war bislang, welchen quantitativen Einfluss eine Limitierung auf eine (bspw. MEDLINE) oder wenige elektronische Datenbanken, beziehungsweise der Wegfall des Durchsuchens von Referenzlisten, auf die dadurch zur Verfügung stehende Evidenz in Hinblick auf Interventionseffekte nehmen kann.

Unter Leitung der stellvertretenden Direktorin von Cochrane Österreich Barbara Nußbaumer-Streit beteiligten sich Thomas L Heise und Stefan K Lhachimi von der ebph-Forschungsgruppe an einer groß angelegten methodischen Studie der Cochrane Rapid Reviews Gruppe und Cochrane Public Health Europe, um dieser Fragestellung nachzugehen. Die Datenbasis bildeten dabei 14 verschiedene verkürzte Datenbank- bzw. Suchkombinationen, welche auf 60 randomisiert ausgewählte Cochrane Reviews mit Meta-Analysen angewendet wurden (Gesamtsample n = 840). Nachfolgend wurde die Nichtunterlegenheit der verkürzten Suchansätze im Vergleich zu den Originalsuchansätzen auf die Schlussfolgerungen der jeweiligen Autor_innengruppen hin untersucht. Eine Hauptaussage der nun im Journal of Clinical Epidemiology veröffentlichten Studie ist, dass im Gegensatz zu der Suche in einer Datenbank, die Richtung eines Interventionseffektes durch die Kombination von Suchen in zwei Datenbanken (bspw. MEDLINE und CENTRAL) oder die zusätzliche Suche in Referenzlisten im Vergleich zu den Originalsuchstrategien von Cochrane Reviews ähnlich verlässlich angezeigt werden kann. Die Studie zeigte jedoch auch, dass keine der 14 Suchkombinationen die Qualität der Suchergebnisse der Originalsuchen – mit weitaus mehr eingeschlossenen Datenbanken – erreichte und Abweichungen in neuberechneten Meta-Analysen der Effektschätzer die Folge waren. Bei Entscheidungen, die eine hohe Sicherheit hinsichtlich der Ergebnisse benötigen, sollte somit weiterhin auf nicht-verkürzte Datenbankrecherchen gesetzt werden, obgleich manche abgekürzten Suchansätze sinnvolle Bausteine für beschleunigte Reviews darstellen können.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link sind Abstract und Volltext der Studie abrufbar: Link
Die Arbeit von Cochrane Methods – Rapid Reviews wird hier vorgestellt: Link
Eine Übersicht der Arbeit von Cochrane Public Health Europe erhalten Sie hier: Link

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