In welchem Umfang könnten Steuern auf verarbeitetes Fleisch die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschalnd verbessern?

Johanna-Katharina Schönbach und Stefan K Lhachimi der EBPH-Forschungsgruppe haben kürzlich einen Artikel zu möglichen Gesundheitsauswirkungen einer Besteuerung von verarbeitetem Fleisch veröffentlicht. Sie arbeiteten hierbei mit Silke Thiele vom ife Institut für Ernährungswirtschaft Kiel zusammen.

Anlass der Forschung war ein veröffentlichter Bericht, in dem die International Agency for Research on Cancer (IARC) verarbeitetes Fleisch als krebserregend für den Menschen einstufte (Bouvard et al., 2015; IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risk to Humans, 2018). Im gleichen Zeitraum hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steuerpolitischen Maßnahmen, insbesondere Steuern auf zuckergesüßte Getränke sowie Subventionen für frisches Obst und Gemüse, ein erhebliches Potenzial zur Förderung einer gesünderen Ernährung zugeschrieben (World Health Organization, 2015, 2016). Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt keine Evidenz hinsichtlich der zu erwartetenen gesundheitlichen Auswirkungen einer Steuer auf verarbeitetes Fleisch, einzige Ausnahme bildete seit dem nur eine Simulationsstudie aus den USA. In dieser wurden Preisanstiege bei verarbeitetem Fleisch in Höhe von 10% und 30% sowie die daraus folgende Mortalität durch kardiometabolische Erkrankungen modelliert (Penalvo et al., 2017).

Im nun durchgeführten Health Impact Assessment modellierten Johanna-Katharina Schönbach, Silke Thiele und Stefan K Lhachimi vor diesem Hintergrund, inwieweit verschieden hohe oder anders konzipierte Steuern auf verarbeitetes Fleisch in Deutschland die Gesundheit der Bevölkerung (im Hinblick auf prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle sowie Mortalität) verbessern könnten. Die Autor_innen berichten, dass im Szenario mit der niedrigsten Steuer auf verarbeitetes Fleisch (4%) im zehnten Simulationsjahr 9.300 mehr Männer und 4.500 mehr Frauen als im Referenzszenario leben würden. Prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle wären bei Männern um 8.400, 9.500 bzw. 500 und bei Frauen um 4.600, 7.800 und 300 niedriger. Im Szenario mit der höchsten Steuer auf verarbeitetes Fleisch (33.3%) würden im zehnten Simulationsjahr 76.700 mehr Männer und 37.100 mehr Frauen leben als im Referenzszenario. Prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle wären bei Männern um 70.800, 77.900 und 4.900 niedriger, respektive bei Frauen um 29.900, 48.900 und 2.300 Fälle gesenkt.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link sind Abstract und Volltext der Studie abrufbar: Link
Kontaktmöglichkeit von Johanna-Katharina Schönbach: Link

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