Projektförderung der ebph-Gruppe ausgelaufen: Aktuelle Kontaktdaten ehemaliger Mitglieder

Diese Webseite wird seit April 2019 nicht mehr aktiv gepflegt, da die Projektförderung der ebph-Forschungsgruppe ausgelaufen ist. Da einige Projekte der Gruppe derzeit noch finalisiert werden, verbleibt zur Dokumentation der Arbeit der Gruppe (u.a. Publikationslisten) diese Seite im Internet. Falls Sie ehemalige Mitarbeiter_innen zu abgeschlossenen oder noch laufenden ebph-Forschungsprojekten kontaktieren möchten, finden sie nachfolgend eine Auflistung langjähriger Mitglieder und Links zu deren derzeitigen Wirkungsstätten (Stand 10/2019):

Dr. Stefan K. Lhachimi
Email: Stefan.Lhachimi@uni-bremen.de

Till Seuring, PhD
Email: till.seuring@liser.lu

Obinna Ekwunife, PhD
Email: oi.ekwunife@unizik.edu.ng

Dr. Manuela Pfinder
Email: Dr.Manuela.Pfinder@bw.aok.de

Thomas Heise
Email: heise@leibniz-bips.de

Dyon Hoekstra
Email: hoekstra@leibniz-bips.de

Johanna Schönbach
Email: schoenba@uni-bremen.de

In welchem Umfang könnten Steuern auf verarbeitetes Fleisch die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschalnd verbessern?

Johanna-Katharina Schönbach und Stefan K Lhachimi der EBPH-Forschungsgruppe haben kürzlich einen Artikel zu möglichen Gesundheitsauswirkungen einer Besteuerung von verarbeitetem Fleisch veröffentlicht. Sie arbeiteten hierbei mit Silke Thiele vom ife Institut für Ernährungswirtschaft Kiel zusammen.

Anlass der Forschung war ein veröffentlichter Bericht, in dem die International Agency for Research on Cancer (IARC) verarbeitetes Fleisch als krebserregend für den Menschen einstufte (Bouvard et al., 2015; IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risk to Humans, 2018). Im gleichen Zeitraum hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steuerpolitischen Maßnahmen, insbesondere Steuern auf zuckergesüßte Getränke sowie Subventionen für frisches Obst und Gemüse, ein erhebliches Potenzial zur Förderung einer gesünderen Ernährung zugeschrieben (World Health Organization, 2015, 2016). Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt keine Evidenz hinsichtlich der zu erwartetenen gesundheitlichen Auswirkungen einer Steuer auf verarbeitetes Fleisch, einzige Ausnahme bildete seit dem nur eine Simulationsstudie aus den USA. In dieser wurden Preisanstiege bei verarbeitetem Fleisch in Höhe von 10% und 30% sowie die daraus folgende Mortalität durch kardiometabolische Erkrankungen modelliert (Penalvo et al., 2017).

Im nun durchgeführten Health Impact Assessment modellierten Johanna-Katharina Schönbach, Silke Thiele und Stefan K Lhachimi vor diesem Hintergrund, inwieweit verschieden hohe oder anders konzipierte Steuern auf verarbeitetes Fleisch in Deutschland die Gesundheit der Bevölkerung (im Hinblick auf prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle sowie Mortalität) verbessern könnten. Die Autor_innen berichten, dass im Szenario mit der niedrigsten Steuer auf verarbeitetes Fleisch (4%) im zehnten Simulationsjahr 9.300 mehr Männer und 4.500 mehr Frauen als im Referenzszenario leben würden. Prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle wären bei Männern um 8.400, 9.500 bzw. 500 und bei Frauen um 4.600, 7.800 und 300 niedriger. Im Szenario mit der höchsten Steuer auf verarbeitetes Fleisch (33.3%) würden im zehnten Simulationsjahr 76.700 mehr Männer und 37.100 mehr Frauen leben als im Referenzszenario. Prävalente IHD-, Diabetes- und Darmkrebsfälle wären bei Männern um 70.800, 77.900 und 4.900 niedriger, respektive bei Frauen um 29.900, 48.900 und 2.300 Fälle gesenkt.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link sind Abstract und Volltext der Studie abrufbar: Link
Kontaktmöglichkeit von Johanna-Katharina Schönbach: Link

Rapid Reviews mit Suchen in einer Datenbank generieren keine verlässliche Evidenz

Im Zeitalter einer schieren Flut an international generierter Evidenz auf Basis von Primärstudien zu klinischen und therapeutischen Fragestellungen sind Rapid Reviews zunehmend eine pragmatische Alternative zu klassischen Systematischen Reviews bei der Unterstützung von gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen geworden. In der Praxis kann dies vielfach nur durch ein Weglassen oder die Verschlankung von etablierten methodischen Ansätzen, die beispielsweise bei Cochrane reviews eingefordert werden und als Goldstandard gelten, erreicht werden. Dies trifft insbesondere auf eine verkürzte Datenbankrecherche zu. Unklar war bislang, welchen quantitativen Einfluss eine Limitierung auf eine (bspw. MEDLINE) oder wenige elektronische Datenbanken, beziehungsweise der Wegfall des Durchsuchens von Referenzlisten, auf die dadurch zur Verfügung stehende Evidenz in Hinblick auf Interventionseffekte nehmen kann.

Unter Leitung der stellvertretenden Direktorin von Cochrane Österreich Barbara Nußbaumer-Streit beteiligten sich Thomas L Heise und Stefan K Lhachimi von der ebph-Forschungsgruppe an einer groß angelegten methodischen Studie der Cochrane Rapid Reviews Gruppe und Cochrane Public Health Europe, um dieser Fragestellung nachzugehen. Die Datenbasis bildeten dabei 14 verschiedene verkürzte Datenbank- bzw. Suchkombinationen, welche auf 60 randomisiert ausgewählte Cochrane Reviews mit Meta-Analysen angewendet wurden (Gesamtsample n = 840). Nachfolgend wurde die Nichtunterlegenheit der verkürzten Suchansätze im Vergleich zu den Originalsuchansätzen auf die Schlussfolgerungen der jeweiligen Autor_innengruppen hin untersucht. Eine Hauptaussage der nun im Journal of Clinical Epidemiology veröffentlichten Studie ist, dass im Gegensatz zu der Suche in einer Datenbank, die Richtung eines Interventionseffektes durch die Kombination von Suchen in zwei Datenbanken (bspw. MEDLINE und CENTRAL) oder die zusätzliche Suche in Referenzlisten im Vergleich zu den Originalsuchstrategien von Cochrane Reviews ähnlich verlässlich angezeigt werden kann. Die Studie zeigte jedoch auch, dass keine der 14 Suchkombinationen die Qualität der Suchergebnisse der Originalsuchen – mit weitaus mehr eingeschlossenen Datenbanken – erreichte und Abweichungen in neuberechneten Meta-Analysen der Effektschätzer die Folge waren. Bei Entscheidungen, die eine hohe Sicherheit hinsichtlich der Ergebnisse benötigen, sollte somit weiterhin auf nicht-verkürzte Datenbankrecherchen gesetzt werden, obgleich manche abgekürzten Suchansätze sinnvolle Bausteine für beschleunigte Reviews darstellen können.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link sind Abstract und Volltext der Studie abrufbar: Link
Die Arbeit von Cochrane Methods – Rapid Reviews wird hier vorgestellt: Link
Eine Übersicht der Arbeit von Cochrane Public Health Europe erhalten Sie hier: Link

Prof. Lhachimi als ein neuer akademischer Editor von PLOS ONE ernannt

Prof. Stefan K. Lhachimi wurde im April 2018 als ein neuer akademischer Editor von PLOS ONE ernannt. PLOS ONE ist das weltweit erste multidisziplinäre Open Access Journal. Neben weiteren Forschungsthemen fokussiert das wissenschaftliche Journal seine Aktivitäten auf medizinische und sozialwissenschaftliche Forschung unter Anwendung eines gründlichen peer-review Prozesses. PLOS ONE ist ausschließlich im Internet verfügbar und wird seit 2006 durch die Public Library of Science herausgegeben. Laut dem InCites Journal Citation Reports werden Artikel von PLOS ONE jährlich mehr als eine halbe Millionen Mal zitiert. Prof. Stefan K. Lhachimi ist derzeit Leiter der ebph-Research Group for Evidence-based Public Health, einem gemeinschaftlich getragenen Forschungsprojektes des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) und des Instituts für Public Health und Pflegeforschung IPP der Universität Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der policy-fokussierten Forschung von lebensstilbedingten Risikofaktoren, population health modelling und Gesundheitsökonomie.

Weiterführende Links

Generelle Informationen zu PLOS ONE: Link

Armutsbekämpfung: Bedingungslose Bargeldtransfers können Gesundheit und den Schulbesuch von Kindern fördern

In der Armutsbekämpfung und entsprechenden Hilfsprogrammen stehen sich derzeit zwei Ansätze gegenüber: auf der einen Seite, an Bedingungen geknüpfte Leistungen; auf der Anderen, die bedingungslose Bereitstellung von Hilfstransfers. Der am deutlichsten auf Eigenverantwortung abzielende Ansatz ist hierbei die Bereitstellung von sogenannten „unconditional cash transfers“, also die Bereitstellung von Geldtransfers ohne weiterer Verpflichtungen für die erhaltende Person. Im Mai 2016 forderte Ban Ki-moon, damaliger Generalsekretär der UN, eine Neuausrichtung in der globalen Nothilfe, so sollten Staaten und Institutionen verstärkt auf direkte Bargeldtransfers und nicht – wie bislang – auf eingeflogene oder importierte Sachleistungen setzen. Die Forschung wusste Ban bei seiner Forderung auf dem UN-Nothilfegipfel in Istanbul auf seiner Seite. Denn tatsächlich belegen zahlreiche Studien, dass die Importe kostenloser Güter – wie etwa Nahrungsmittel – regionale Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau erodieren können. In sogenannten „Cash Transfer Programs“ – kurz CTPs – werden Bargeld indirekt in Form von Gutscheinen oder direkt an die Betroffenen ausgezahlt.

Betroffene Familien können die erhaltende Leistung flexibel einsetzen – etwa zum Erwerb von Nahrungsmitteln, Kleidern, Hygieneartikeln und Baumaterialien oder um Schul- und Transportkosten der Kinder zu bezahlen. Und auch für die „Geber“ sind Vorteile offensichtlich. So können Bargeldleistungen schnell und flexibel bereitgestellt werden. Sachleistungen dagegen müssen mit hohem logistischen Aufwand zum Zielort transportiert und dort mit großem Personaleinsatz verteilt werden. Wie in jeder Form von Hilfstransfer sind begleitende Maßnahmen gegen Korruption jedoch auch hier von integraler Bedeutung.

Ein internationales Forscherteam aus Neuseeland, den USA und Deutschland konnte nun zeigen, dass sich bedingungslose Bargeldtransfers positiv auf die Gesundheit von Empfänger_innen der Transfermaßnahmen auswirken. An der Studie beteiligt war auch Prof. Dr. Stefan Lhachimi, Leiter der Forschungsgruppe Evidence-Based Public Health (BIPS und Universität Bremen). Gegenüber dem britischen Guardian äußerte Prof. Lhachimi, dass die Maßnahmen zu einer klinisch signifikanten Abnahme, in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit eine Krankheit zu besitzen, führten.  Darüber hinaus legen die Ergebnisse nahe, dass durch die Intervention eine größere Vielfalt in der Nahrungsmittelauswahl entsteht. Die eingeschlossenen Studien verglichen hierbei unter anderem „bedingungslose“ Geldtransfers mit „keinen“ Geldtransfers. Die Evidenz hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen von bedingungslosen im Vergleich zu Geldtransfers, die an Bedingungen geknüpft sind, bleibt laut der Autorengruppe weitestgehend vage und bedarf weiterer Forschung.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link ist der volle Review in der Cochrane Library abrufbar: Link
Die Meldung zur Veröffentlichung des Reviews auf der offiziellen Cochrane Seite inkl. Podcast-Beitrag: Link
Eine laienverständliche Übersetzung der zentralen Ergebnisse auf Deutsch via Cochrane Kompakt: Link

Arbeit von Till Seuring innerhalb des iHEA Student Prize ausgezeichnet

Im Rahmen des iHEA Student Prize, welcher exzellente Forschung von Doktoranden im Bereich der Gesundheitswissenschaft auszeichnet und alle zwei Jahre von der International Health Economics Association (iHEA) vergeben wird, erreichte in diesem Jahr Dr. Till Seuring aus unserer Forschungsgruppe eine Zweitplatzierung in diesem Wettbewerb. Dr. Seuring erhielt die Auszeichnung für seine Studie “The relationship between diabetes, employment status and behavioural risk factors: An application of marginal structural models and fixed effects to Chinese panel data“, welche die Effekte einer Diabetesdiagnose auf den Arbeitsmarktstatus als auch auf das für die Prävention von Diabeteskomplikationen wichtige Gesundheitsverhalten untersuchte. Die Studie nutzte dazu Daten aus China, ein Land, welches seit einigen Jahrzehnten einen starken Anstieg von Diabetesfällen verzeichnet und heute weltweit die meisten Menschen mit Diabetes beheimatet. Die Ergebnisse der Studie deuten auf deutliche Unterschiede in den Effekten zwischen Männern und Frauen hin, mit positiven Verhaltensänderungen sowie keinen Arbeitsmarkteinbußen bei Männern, wohingegen für Frauen deutlich weniger positive Verhaltensänderungen und ein relativ großer Rückgang der Arbeitsmarktchancen von 16% gefunden wurden. Die Studie ist noch nicht publiziert, allerdings ist eine frühere Version als Teil von Dr. Seurings Doktorarbeit zugänglich.

 

Die Studie wurde zudem im Rahmen einer speziellen Session für die drei erstplatzierten Gewinner auf dem diesjährigen Kongress der International Health Economics Association präsentiert, welcher  vom 07.-11-. Juli an der Boston University stattfand. Die Präsentation wird in kürze auch als Video auf der iHEA Homepage verfügbar sein.

Dr. Seuring präsentierte zudem auf dem gleichen Kongress eine weitere Studie zu den Arbeitsmarkteffekten von Diabetes in Mexiko, einem anderen Land mittleren Einkommens welches große Probleme mit Übergewicht und Diabetes hat. Eine Version dieses Artikels kann hier heruntergeladen werden. Der Kongress findet alle zwei Jahre statt und sorgt für die Zusammenkunft von Gesundheitsökonomen aus der ganzen Welt, welche neuste Erkenntnisse aus allen Bereichen der Gesundheitsökonomie präsentieren.

Modellierungsherausforderungen bei Kosteneffektivitätsanalysen von HPV Impfungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau

obinna_e_bips_2Obinna I Ekwunife und Stefan K Lhachimi der EBPH-Forschungsgruppe haben in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Forscher_innen  – James F. O’Mahony (Irland), Andreas Gerber Grote (Schweiz), Christoph Mosch (Deutschland), Tatjana Paeck (Deutschland) – ein systematisches Review im PharmacoEconomics Journal veröffentlicht. Die folgenden Absätze fassen den dringlichen Bedarf für die Übersichtsarbeit, wesentlichen Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen der Autor_innen zusammen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt routinemäßige HPV Impfungen für Mädchen, falls sich diese als kosteneffektiv in dem jeweiligen Land bzw. der betreffenden Region erweisen [1]. Bereits zahlreiche Studien zur Kosteneffektivität von HPV Impfungen wurden in Ländern mit hohem, mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau publiziert. Diese Studien nutzen üblicherweise entscheidungsanalytische Modelle, da sich viele der relevanten Ergebnisse nicht ausreichend in der Dauer von regulären Impf- und Screening-Studien untersuchen lassen. Kosteneffektivitätsanalysen von HPV Impfungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau (LMICs) übernehmen oft jene entscheidungsanalytischen Modelle von Studien aus Ländern mit hohem Einkommensniveau.

Allerdings machen es bestimmte Herausforderungen bei der Implementierung und Aufrechterhaltung einer umfassenden Präventionsstrategie von Gebärmutterhalskrebs in LMICs schwierig vorauszusehen, welche Impfraten und Impfkosten entsprechend erzielt werden können. Beide sind jedoch zentrale Parameter in den meisten entscheidungsanalytischen Modellen von HPV Impfungen und von hoher Relevanz dafür, ob eine Impfung als kosteneffektiv angesehen werden kann oder nicht. Deswegen müssen entscheidungsanalytische Modelle, welche die Kosteneffektivität von HPV Impfungen in LMICs analysieren, diese besonderen Herausforderungen berücksichtigen, während sie in Ländern mit hohem Einkommen weniger relevant sind. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn entsprechende politische Empfehlungen ausgesprochen werden sollen.

Dies war der Hintergrund dafür, dass die Autor_innen sich entschieden ein systematisches Review zur Beantwortung der Fragestellung anzufertigten, wie kontextspezifische Herausforderungen bei der Implementierung und Aufrechterhaltung von Strategien zur Prävention und Kontrolle von Gebärmutterhalskrebs in LMICs bei Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen berücksichtigt werden.
Das Review untersuchte insbesondere die folgenden Fragestellungen: (1) Berücksichtigt die derzeitig verfügbare Literatur zur Kosteneffektivität von HPV Impfungen die besonderen Herausforderungen von LMICs? (2) Wie wurden die besonderen Herausforderungen jeweils in den Modellen integriert? (3) Ist die Unsicherheit bezüglich Modellparametern – die besonders sensibel auf jene Herausforderungen bei der Implementierung in LMICs reagieren – so groß, dass sie Politikempfehlungen beeinträchtigt?

Die zentralen Erkenntnisse des systematischen Reviews waren, dass die Kosten für die jeweils geimpften Mädchen, Impfraten und die Abdeckung durch Screening extrem ungewissen Parameter in modell-basierten Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen in LMICs unterliegen. Diese Ungewissheit hinsichtlich der Parameter ist insbesondere von Bedeutung, da sie die Schlussfolgerungen zur Kosteneffektivität umkehren und Politikempfehlungen verändern können.

Um die Schätzung hinsichtlich der Kosten pro geimpftem Mädchen in Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen in LMICs zu verbessern, empfehlen die Autor_innen, die Kosten für die Bereitstellung des HPV Impfstoffs von anderen Ländern – in denen die Impfung bereits großflächig implementiert wurde – in angepasster Form an das jeweilige Land zu übernehmen. Bezüglich Impfraten kommen die Autor_innen zu dem Schluss, dass es am geeignetsten wäre, länderspezifische Impfraten aus anderen Impfkontexten als Basisannahme zu nutzen. Sie schlagen hierbei vor, Impfraten von Auffrischungsimpfungen für Jugendliche aus Ländern oder Regionen zu benutzen, in denen solche Programme bereits etabliert sind, wie z.B. im Nahen Osten und Nordafrika [2]. Bei Fehlen solcher Daten zu Impfprogrammen für Jugendliche – kann die Abdeckung von Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3) als guter Näherungswert dienen, insbesondere weil die Impfrate der dritten DTP Dosis bei Säuglingen als Hauptindikator für den Erfolg dieses Impfprogrammes gilt und auch als Richtgröße zur Teilnahme bei der Vaccine Alliance (Gavi) Förderung genutzt wird [2]. Bei Abdeckungsraten hinsichtlich des Screenings empfehlen die Autor_innen des Weiteren, Screeningsraten bezüglich Gebärmutterhalskrebs aus Ländern in der gleichen geographischen Region für die Analyse zu nutzen. Beispielsweise könnten afrikanische Länder bei Fehlen von lokalen Daten die südafrikanische Screeningsrate von 20% als Basis annehmen, anstelle einer überhöhten 70%-igen Abdeckungsrate [3].

Weiterführender Link

Volltext des Artikels bei PharmacoEconomics: Link

Referenzen

1. WHO. Human papillomavirus vaccines. WHO position paper. Weekly Epidemiological Record 2009.

2. Jumaan AO, Ghanem S, Taher J, Braikat M, Al Awaidy S, Dbaibo GS. Prospects and challenges in the introduction of human papillomavirus vaccines in the extended Middle East and North Africa region. Vaccine. 2013;31 Suppl 6:G58-64. doi:10.1016/j.vaccine.2012.06.097.

3. Bruni L B-RL, Albero G, Aldea M, Serrano B, Valence S, Brotons M, Mena M, Cosano R, Muñoz J, Bosch FX, de Sanjosé S, Castellsagué X. ICO Information Centre on HPV and Cancer (HPVInformation Centre). Human Papillomavirus and Related Diseases Report: South Africa2015. Report No.: 2015-03-20.

Cochrane Review über die Besteuerung von Softdrinks erhält Förderung durch CRSP

Auf Grundlage von 23 Titel-Einsendungen unterschiedlicher Cochrane Review Gruppen wurde innerhalb der zweiten Runde des Cochrane Review Support Programme (CRSP) der von der ebph – Forschungsgruppe geleitete Cochrane Review zu der Wirkung von Softdrink Besteuerung erfolgreich berücksichtigt. Das CRSP von Cochrane dient der finanziellen Unterstützung bei der Durchführung von Cochrane Review Titeln mit hoher Priorität. Insgesamt wurden in der zweiten Runde zehn Titel gefördert. Die Auswahl wurde durch ein international besetztes Panel, bestehend aus Mitwirkenden und Stakeholdern von Cochrane, getroffen. Beteiligte des Reviews bedanken sich herzlich für die zukünftige finanzielle Förderung.

Cochrane Reviews unter Leitung der ebph Forschungsgruppe auf ‚Cochrane Priority Review list‘ vertreten

Zwei der derzeit in Durchführung begriffenen Cochrane Reviews zu der Wirkung von Fett- und Zuckersteuern auf Übergewicht und Adipositas wurden jüngst im Mai Update der ‚Priority Review list‘ von Cochrane aufgenommen. Priorisierung von Review-Titeln ist allgemeines Ziel der Cochrane to 2020 Strategie und soll entweder neue Review-Titel oder bestehende Reviews mit erfolderlichen Updates identifizieren, die eine hohe Relevanz für den Gesundheitsbereich und gesundheitspolitische Entscheidungsträger_innen aufweisen. Zusammen mit unserem internationalen Review-Team freuen wir uns, dass in Folge der Listenerstellung unter Einbezug der Vorschläge von Review-Gruppen und weiteren Stakeholdern unseren Fragestellungen diese Relevanz beigemessen wurde.

Cochrane Review zu Unconditional Cash Transfers veröffentlicht

Ein internationales Forschungsteam—Dr. Frank Pega (Neuseeland), Dr. Sze Yan Liu (USA) Dr. Stefan Walter (USA), Prof. Stefan K Lhachimi (Deutschland)—veröffentlichte jüngst ein Cochrane Review im Rahmen von Cochrane Public Health zu der Wirkung von Unconditional Cash Transfers (UCT)—Geldtransfers ohne einhergehenden Verpflichtungen—als soziale Sicherungsmaßnahme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau in der Cochrane Library. Der Review untersuchte die Effekte von UCTs auf die Nutzung von Gesundheitsleistungen, Gesundheit, sozialen Determinanten von Gesundheit, Gesundheitsausgaben und lokalen Märkte, sowie die Infrastruktur in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau. Zudem verglich der Review die Effekte unterschiedlicher Implementationsformen: Direktzahlungen versus der Zuweisung für bestimmte Güter (z.B.: Essen) oder andere Geldtransferformen.

Hierbei wurden 3 Studien aus dem Niger und Nicaragua mit insgesamt 13885 Teilnehmer_innen (9640 Kinder und 4245 Erwachsene) und 1200 Haushalten eingeschlossen. Diese Studien untersuchten fünf Programme von Regierungs-, Nicht-Regierungs- oder Forschungsorganisationen welche Bestandteile von geleisteter Katastrophenhilfe—in diesem Fall Dürre—waren. Die Geldtransfers variierten von 145 bis 250 USD oder mehr, abhängig von den Charakteristika der Haushalte. Bei der Qualitätsbewertung der Studien wurde die Evidenz der eingeschlossenen Studien als sehr gering und sehr unsicher bewertet. Teilweise lagen umfangreiche methodische Limitierungen innerhalb der Studien vor.

UCTSs zeigten einen leichten Anstieg bei dem Anteil von Kindern die Vitamin- oder Eisen-Ergänzungsmittel erhielten, als auch einen positiven Effekt hinsichtlich des häuslichen Lebensumfeldes der Kinder. Dies könnte zu einer umfangreichen Verringerung der Sterbewahrscheinlichkeit, einer moderaten Reduzierung von Krankheitstagen und einer großen Reduktion von akuter Mangelernährung geführt haben. UCTs zeigten keinen erkennbaren Effekt auf den Anteil der Kinder die Entwurmungsmedikamente erhielten, auf die altersspezifische Größe der Kinder, das Ausmaß von Depressionen bei Erwachsenen oder die Qualität des Erziehungsverhaltens von Eltern. Es wurden keine adversen Effekte berichtet. Die eingeschlossenen Studien wiesen einen Mangel an der Berücksichtigung weiterer wichtiger Endpunkte auf, beispielsweise Endpunkte zu Ernährungssicherheit oder Ungleichheitsaspekten.

Verglichen mit Transfers für Lebensmittel wurde keine Evidenz gefunden, dass UCTs die Wahrscheinlichkeit der Sterblichkeit oder akuter Mangelernährung von Kindern verringert. Wurden gleiche Transfersummen bei unterschiedlicher Transferform—Bargeld versus Handy—verglichen, zeigte sich bei der Bargeldintervention ein moderater Anstieg der Ernährungsdiversität von Haushalten. Keine Evidenz lag hinsichtlich der Effekte auf soziale Determinanten von Gesundheit, Gesundheitsausgaben und lokalen Märkte, sowie auf die Infrastruktur vor.

Die Autor_innen kommen zu dem Fazit, dass weitere qualitativ hochwertige Evidenz (im Speziellen von RCTs im Bereich humanitärer Katastrophen – außerhalb von Dürren) notwendig ist, um eindeutige Schlussfolgerungen in Bezug auf die relative Effektivität von UCTs hinsichtlich der Verbesserung der Nutzung von Gesundheitsleistungen und Gesundheit in humanitären Katastrophen zu ziehen.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link ist der volle Review in der Cochrane Library abrufbar: Link
Die Meldung zur Veröffentlichung des Reviews auf der offiziellen Cochrane Seite: Link