Von Übergewicht bis zur Impfpolitik: Gemeinsam die Zukunftsfragen der Gesundheit beantworten – CPHE gegründet

Münchner und Bremer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich mit Institutionen aus Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen, um einen europäischen Satelliten der Public Health-Gruppe des Forschungsnetzwerks Cochrane zu gründen. Die Ziele der Kooperation sind es, die Forschung zu Themen der öffentlichen Gesundheit voranzutreiben und die Ergebnisse an die Öffentlichkeit sowie an Entscheidungsträger zu vermitteln. Beteiligt sind die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Universität Bremen und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS.

Wie soll die Gesellschaft mit der rasanten Zunahme von Übergewicht in der Bevölkerung umgehen? Brauchen wir für bestimmte Krankheiten eine Impfpflicht? Welche Regelungen macht die Belastung unserer Atemluft mit Feinstaub notwendig? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, braucht es gezielte Forschung auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit (Public Health) sowie einen transparenten und verantwortungsbewussten Umgang mit den daraus entstehenden wissenschaftlichen Ergebnissen und Aussagen.

Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die Universität Bremen und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS haben sich mit Cochrane Österreich, Cochrane Schweiz und der Universität Zürich zusammengetan, um der Public Health-Forschung mehr Gewicht zu verleihen, sie besser zu koordinieren und so wichtigen gesellschaftlichen Gesundheitsanliegen eine starke, faktenbezogene Stimme zu geben. Unterstützt wird die Initiative von Cochrane Deutschland.

Der europäische Satellit ist ein Ableger von „Cochrane Public Health“, einer der insgesamt über 50 themenbezogenen Arbeitsgruppen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane. Das zentrale Ziel dieses Netzwerks ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem zu verbessern. Dieses Ziel wird vor allem durch das Erstellen, Aktualisieren und Verbreiten systematischer Übersichtsarbeiten erreicht.

„Im Gegensatz zu medikamentösen Verfahren sind Public Health-Ansätze oft komplex – so kommen zum Beispiel technische, regulatorische und informierende Maßnahmen gemeinsam zum Einsatz und müssen jeweils den lokalen Gegebenheiten angepasst werden“, erklärt PD Dr. Eva Rehfuess, Wissenschaftlerin am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der LMU. „Um die Wirksamkeit dieser Maßnahmen korrekt bestimmen zu können, brauchen wir ein innovatives Methodenpaket. Hieran arbeiten wir gemeinsam, insbesondere bei der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten und der Beurteilung der so zusammengeführten Evidenz.“

Ein erstes gemeinsames Projekt ist die Internetseite „Cochrane Kompakt“. Laienverständliche Zusammenfassungen wichtiger systematischer Übersichtsarbeiten werden ins Deutsche übersetzt und online für alle Interessierten zur Verfügung gestellt. „Wir dürfen das Feld der Gesundheitsinformation nicht Gruppen überlassen, die primär kommerzielle Interessen verfolgen“, betont Dr. Erik von Elm, Wissenschaftler am „Institute of Social and Preventive Medicine“ der Universitätsklinik Lausanne und Co-Direktor von Cochrane Schweiz. „Patienten, Angehörige oder Eltern haben das Recht, unabhängige und objektive Informationen zu Wirksamkeit oder möglichem Schaden von gesundheitsbezogenen Maßnahmen zu erhalten. Das wollen wir mit Cochrane Kompakt ermöglichen.“

Prof. Dr. Stefan K. Lhachimi, Leiter der „Collaborative Research Group for Evidence-Based Public Health“ an der Universität Bremen und am BIPS, erklärt: „Um unsere Forschungsbemühungen auch sinnvoll den Erwartungen und Bedürfnissen unserer Zielgruppe anzupassen, bedarf es einer ‚Inventur‘ der vorrangigen Public Health-Probleme. Wir werden untersuchen, wo einerseits Informationsdefizite und andererseits Informationsüberfluss bestehen. Hierzu werden wir auch Gesundheitspolitikerinnen und -politiker, Behörden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch Betroffenenverbände in allen deutschsprachigen Ländern befragen.“

Das Forschungsnetzwerk Cochrane wurde 1993 als weltweiter Zusammenschluss von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medizin und Patientenvertretung gegründet. Namensgeber ist Sir Archibald Leman Cochrane, der britische Epidemiologe und Urvater der evidenzbasierten Medizin. Ziel von Cochrane ist es, medizinische Fragestellungen evidenzbasiert zu beantworten und somit Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen sowie Patientinnen und Patienten bei der Einschätzung von Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten zu unterstützen.

Für weitere Informationen besuchen Sie die Seite von Cochrane Public Health Europe oder schreiben Sie an cochranepublichealth@ibe.med.uni-muenchen.de

Die vorliegende Fachinformation lässt sich an dieser Stelle als .pdf in deutscher Sprache und hier als englische Sprachversion herunterladen.

Weiterführende Links:
Website von “Cochrane Public Health Europe”: http://ph.cochrane.org/cochrane-public-health-europe?
Website von “Cochrane Kompakt”: http://www.cochrane.org/de/evidence
Website von Cochrane international: http://www.cochrane.org/
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der LMU: http://www.ibe.med.uni-muenchen.de/
“Research Group for Evidence-Based Public Health”, Universität Bremen und BIPS: http://www.ebph.uni-bremen.de/

Kontakt:
Ludwig-Maximilians-Universität München
PD Dr. Eva Rehfuess
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie
Mobil: 0163/6859436
E-Mail: rehfuess@ibe.med.uni-muenchen.de

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS / Universität Bremen
Prof. Dr. Stefan Lhachimi
Tel.: 0421/218-56919
E-Mail: stefan.lhachimi@uni-bremen.de

 

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