Modellierungsherausforderungen bei Kosteneffektivitätsanalysen von HPV Impfungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau

obinna_e_bips_2Obinna I Ekwunife und Stefan K Lhachimi der EBPH-Forschungsgruppe haben in Zusammenarbeit mit anderen internationalen Forscher_innen  – James F. O’Mahony (Irland), Andreas Gerber Grote (Schweiz), Christoph Mosch (Deutschland), Tatjana Paeck (Deutschland) – ein systematisches Review im PharmacoEconomics Journal veröffentlicht. Die folgenden Absätze fassen den dringlichen Bedarf für die Übersichtsarbeit, wesentlichen Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen der Autor_innen zusammen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt routinemäßige HPV Impfungen für Mädchen, falls sich diese als kosteneffektiv in dem jeweiligen Land bzw. der betreffenden Region erweisen [1]. Bereits zahlreiche Studien zur Kosteneffektivität von HPV Impfungen wurden in Ländern mit hohem, mittlerem oder niedrigem Einkommensniveau publiziert. Diese Studien nutzen üblicherweise entscheidungsanalytische Modelle, da sich viele der relevanten Ergebnisse nicht ausreichend in der Dauer von regulären Impf- und Screening-Studien untersuchen lassen. Kosteneffektivitätsanalysen von HPV Impfungen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau (LMICs) übernehmen oft jene entscheidungsanalytischen Modelle von Studien aus Ländern mit hohem Einkommensniveau.

Allerdings machen es bestimmte Herausforderungen bei der Implementierung und Aufrechterhaltung einer umfassenden Präventionsstrategie von Gebärmutterhalskrebs in LMICs schwierig vorauszusehen, welche Impfraten und Impfkosten entsprechend erzielt werden können. Beide sind jedoch zentrale Parameter in den meisten entscheidungsanalytischen Modellen von HPV Impfungen und von hoher Relevanz dafür, ob eine Impfung als kosteneffektiv angesehen werden kann oder nicht. Deswegen müssen entscheidungsanalytische Modelle, welche die Kosteneffektivität von HPV Impfungen in LMICs analysieren, diese besonderen Herausforderungen berücksichtigen, während sie in Ländern mit hohem Einkommen weniger relevant sind. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn entsprechende politische Empfehlungen ausgesprochen werden sollen.

Dies war der Hintergrund dafür, dass die Autor_innen sich entschieden ein systematisches Review zur Beantwortung der Fragestellung anzufertigten, wie kontextspezifische Herausforderungen bei der Implementierung und Aufrechterhaltung von Strategien zur Prävention und Kontrolle von Gebärmutterhalskrebs in LMICs bei Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen berücksichtigt werden.
Das Review untersuchte insbesondere die folgenden Fragestellungen: (1) Berücksichtigt die derzeitig verfügbare Literatur zur Kosteneffektivität von HPV Impfungen die besonderen Herausforderungen von LMICs? (2) Wie wurden die besonderen Herausforderungen jeweils in den Modellen integriert? (3) Ist die Unsicherheit bezüglich Modellparametern – die besonders sensibel auf jene Herausforderungen bei der Implementierung in LMICs reagieren – so groß, dass sie Politikempfehlungen beeinträchtigt?

Die zentralen Erkenntnisse des systematischen Reviews waren, dass die Kosten für die jeweils geimpften Mädchen, Impfraten und die Abdeckung durch Screening extrem ungewissen Parameter in modell-basierten Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen in LMICs unterliegen. Diese Ungewissheit hinsichtlich der Parameter ist insbesondere von Bedeutung, da sie die Schlussfolgerungen zur Kosteneffektivität umkehren und Politikempfehlungen verändern können.

Um die Schätzung hinsichtlich der Kosten pro geimpftem Mädchen in Kosteneffektivitäts-Analysen von HPV Impfungen in LMICs zu verbessern, empfehlen die Autor_innen, die Kosten für die Bereitstellung des HPV Impfstoffs von anderen Ländern – in denen die Impfung bereits großflächig implementiert wurde – in angepasster Form an das jeweilige Land zu übernehmen. Bezüglich Impfraten kommen die Autor_innen zu dem Schluss, dass es am geeignetsten wäre, länderspezifische Impfraten aus anderen Impfkontexten als Basisannahme zu nutzen. Sie schlagen hierbei vor, Impfraten von Auffrischungsimpfungen für Jugendliche aus Ländern oder Regionen zu benutzen, in denen solche Programme bereits etabliert sind, wie z.B. im Nahen Osten und Nordafrika [2]. Bei Fehlen solcher Daten zu Impfprogrammen für Jugendliche – kann die Abdeckung von Diphterie-Tetanus-Keuchhusten (DTP3) als guter Näherungswert dienen, insbesondere weil die Impfrate der dritten DTP Dosis bei Säuglingen als Hauptindikator für den Erfolg dieses Impfprogrammes gilt und auch als Richtgröße zur Teilnahme bei der Vaccine Alliance (Gavi) Förderung genutzt wird [2]. Bei Abdeckungsraten hinsichtlich des Screenings empfehlen die Autor_innen des Weiteren, Screeningsraten bezüglich Gebärmutterhalskrebs aus Ländern in der gleichen geographischen Region für die Analyse zu nutzen. Beispielsweise könnten afrikanische Länder bei Fehlen von lokalen Daten die südafrikanische Screeningsrate von 20% als Basis annehmen, anstelle einer überhöhten 70%-igen Abdeckungsrate [3].

Weiterführender Link

Volltext des Artikels bei PharmacoEconomics: Link

Referenzen

1. WHO. Human papillomavirus vaccines. WHO position paper. Weekly Epidemiological Record 2009.

2. Jumaan AO, Ghanem S, Taher J, Braikat M, Al Awaidy S, Dbaibo GS. Prospects and challenges in the introduction of human papillomavirus vaccines in the extended Middle East and North Africa region. Vaccine. 2013;31 Suppl 6:G58-64. doi:10.1016/j.vaccine.2012.06.097.

3. Bruni L B-RL, Albero G, Aldea M, Serrano B, Valence S, Brotons M, Mena M, Cosano R, Muñoz J, Bosch FX, de Sanjosé S, Castellsagué X. ICO Information Centre on HPV and Cancer (HPVInformation Centre). Human Papillomavirus and Related Diseases Report: South Africa2015. Report No.: 2015-03-20.

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