Cochrane Review zu Unconditional Cash Transfers veröffentlicht

Ein internationales Forschungsteam—Dr. Frank Pega (Neuseeland), Dr. Sze Yan Liu (USA) Dr. Stefan Walter (USA), Prof. Stefan K Lhachimi (Deutschland)—veröffentlichte jüngst ein Cochrane Review im Rahmen von Cochrane Public Health zu der Wirkung von Unconditional Cash Transfers (UCT)—Geldtransfers ohne einhergehenden Verpflichtungen—als soziale Sicherungsmaßnahme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau in der Cochrane Library. Der Review untersuchte die Effekte von UCTs auf die Nutzung von Gesundheitsleistungen, Gesundheit, sozialen Determinanten von Gesundheit, Gesundheitsausgaben und lokalen Märkte, sowie die Infrastruktur in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau. Zudem verglich der Review die Effekte unterschiedlicher Implementationsformen: Direktzahlungen versus der Zuweisung für bestimmte Güter (z.B.: Essen) oder andere Geldtransferformen.

Hierbei wurden 3 Studien aus dem Niger und Nicaragua mit insgesamt 13885 Teilnehmer_innen (9640 Kinder und 4245 Erwachsene) und 1200 Haushalten eingeschlossen. Diese Studien untersuchten fünf Programme von Regierungs-, Nicht-Regierungs- oder Forschungsorganisationen welche Bestandteile von geleisteter Katastrophenhilfe—in diesem Fall Dürre—waren. Die Geldtransfers variierten von 145 bis 250 USD oder mehr, abhängig von den Charakteristika der Haushalte. Bei der Qualitätsbewertung der Studien wurde die Evidenz der eingeschlossenen Studien als sehr gering und sehr unsicher bewertet. Teilweise lagen umfangreiche methodische Limitierungen innerhalb der Studien vor.

UCTSs zeigten einen leichten Anstieg bei dem Anteil von Kindern die Vitamin- oder Eisen-Ergänzungsmittel erhielten, als auch einen positiven Effekt hinsichtlich des häuslichen Lebensumfeldes der Kinder. Dies könnte zu einer umfangreichen Verringerung der Sterbewahrscheinlichkeit, einer moderaten Reduzierung von Krankheitstagen und einer großen Reduktion von akuter Mangelernährung geführt haben. UCTs zeigten keinen erkennbaren Effekt auf den Anteil der Kinder die Entwurmungsmedikamente erhielten, auf die altersspezifische Größe der Kinder, das Ausmaß von Depressionen bei Erwachsenen oder die Qualität des Erziehungsverhaltens von Eltern. Es wurden keine adversen Effekte berichtet. Die eingeschlossenen Studien wiesen einen Mangel an der Berücksichtigung weiterer wichtiger Endpunkte auf, beispielsweise Endpunkte zu Ernährungssicherheit oder Ungleichheitsaspekten.

Verglichen mit Transfers für Lebensmittel wurde keine Evidenz gefunden, dass UCTs die Wahrscheinlichkeit der Sterblichkeit oder akuter Mangelernährung von Kindern verringert. Wurden gleiche Transfersummen bei unterschiedlicher Transferform—Bargeld versus Handy—verglichen, zeigte sich bei der Bargeldintervention ein moderater Anstieg der Ernährungsdiversität von Haushalten. Keine Evidenz lag hinsichtlich der Effekte auf soziale Determinanten von Gesundheit, Gesundheitsausgaben und lokalen Märkte, sowie auf die Infrastruktur vor.

Die Autor_innen kommen zu dem Fazit, dass weitere qualitativ hochwertige Evidenz (im Speziellen von RCTs im Bereich humanitärer Katastrophen – außerhalb von Dürren) notwendig ist, um eindeutige Schlussfolgerungen in Bezug auf die relative Effektivität von UCTs hinsichtlich der Verbesserung der Nutzung von Gesundheitsleistungen und Gesundheit in humanitären Katastrophen zu ziehen.

Weiterführende Links

Unter folgendem Link ist der volle Review in der Cochrane Library abrufbar: Link
Die Meldung zur Veröffentlichung des Reviews auf der offiziellen Cochrane Seite: Link

Posted in Allgemein.